Gesetzliche Krankenkassen gefährden wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung

07. 09. 12
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Hessenmed: „Honorarbeschluss ist skandalös“

•  0,9 % Honorarerhöhung bedeuten angesichts der Inflationsrate Minusrunde
•  steigende Arbeitsbelastung durch Bürokratie der Krankenkassen
•  Mehrheit der 2.000 Hessenmed-Mitglieder für Protestmaßnahmen

FULDA, 17.9.2012. Die Mehrheit der rund 2.000 bei Hessenmed organisierten Ärzte hat sich in einer Mitgliederbefragung für vorübergehende Praxisschließungen ausgesprochen. Wie der Vorsitzende des Verbandes hessischer Ärztenetze, Dr. Jörg Simon, am Montag mitteilte, sind Praxisschließungen auch angesichts der aktuellen Entwicklungen in den nächsten Wochen nicht ausgeschlossen. Die große Wut der Ärzte resultiert auch aus dem Gebaren der Krankenkassen ihrem Berufsstand gegenüber. Es vergehe kaum ein Monat, in dem nicht eine Studie im Auftrag der Krankenkassen zu belegen versuche, dass Ärzte wahlweise korrupt und geldgierig seien oder schlampig arbeiteten.

Anlass für die Proteste: Die Ärzte waren mit ihren Honorarforderungen für 2013 gescheitert. Im sogenannten Erweiterten Bewertungsausschuss, in dem neben KBV- und Kassenvertretern auch Unabhängige sitzen, waren die Ärzte überstimmt worden. Die KBV hatte für die rund 150.000 Kassenärzte und Psychotherapeuten 11 % Honorarerhöhung gefordert. Es wäre die erste Honorarerhöhung seit vier Jahren gewesen; die Kassen stimmten indes nur einer Anhebung von 0,9 Prozent zu.

„Angesicht der Inflationsrate ist das eine Minusrunde: Der Beschluss berücksichtigt in keiner Weise, dass die Praxiskosten seit der letzten Vereinbarung im Jahr 2008 drastisch gestiegen sind“, so Dr. Simon. „Die Kassen sitzen auf insgesamt 22 Milliarden Euro und fordern eine Verringerung der Honorare – das hat bei den Ärzten das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Dr. Simon, der auch Mitglied der Ärztegenossenschaft Gesundheitsnetz Osthessen eG ist.

„An den Grenzen der Leistungsfähigkeit“

Darüber hinaus kritisiert Hessenmed den hohen und laut Simon oft überflüssigen Bürokratieaufwand. „Die Zeit, die für Formalitäten mit den Krankenkassen benötigt wird, fehlt zunehmend bei der Versorgung der Patienten“, so Dr. Stefan Pollmächer, Mitglied des Hessenmed-Vorstands. So sei in den kommenden vier Wochen ein Boykott bürokratischer  Aufgaben denkbar, so der Allgemeinmediziner aus Kassel, der auch der Ärztegenossenschaft DOXS eG angehört. „Wir sind an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit und wir sehen uns auch aus Kreisen der Patientenvertreter unterstützt “, betonen Dr. Pollmächer und Dr. Simon.

Über Hessenmed e.V.:
Im Februar 2009 gegründet, vertritt Hessenmed e. V. gemeinsame Interessen lokaler und regionaler Ärztenetze in Hessen. Ziel des Verbandes, dem landesweit 22 Netze mit rund 2.000 Mitgliedern angehören, ist es unter anderem, die regionale Patientenversorgung zu verbessern. So engagiert sich Hessenmed für den Erhalt der wohnortnahen ambulanten medizinischen Versorgung.
Weitere Informationen: www.hessenmed.de

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